Geht es Ihnen auch so? Sie öffnen in einem Restaurant die umfangreiche Weinkarte mit den Ausmaßen des Gästebuches einer mittleren Großstadt - und sind geplättet! Eigentlich wollten Sie nur einen leicht bekömmlichen, nicht zu teuren Wein bestellen. Bier schmeckt ja auch gut, aber heute soll es mal ein guter Tropfen sein. Doch so einfach geht das nicht, wenn man die Empfehlung liest, die ein offenbar schon berauschter Dichter - Abteilung Lyrik - verfasst hat. Was halten Sie zum Beispiel von einem Erguß, der auch in vielen anderen Weinkarten - nur leicht verändert - zu finden ist und zusätzlich als eine gelungene Hymne auf noch ganz andere Genüsse verstanden werden könnte: "Dieser edle Spitzenwein von vornehmer und zurückhaltender Eleganz verfügt über eine feste Ansprache im Geschmack und hinterläßt eine blumige Note am Gaumen. Mit seinem vollen, rassigen Körper hat er eine geradezu erotische Komponente. Seine überströmende Fruchtigkeit verleiht ihm einen seidigen, fast schon femininen Charakter ohne Ecken und Kanten. Nach lebhaftem Spiel auf der Zunge führt dann prickelnde Spritzigkeit zu einer wahren Explosion der Sinne! Im Nachhall zeigt er sich ausbalanciert." Alles klar? Herr Ober! Bitte ein Pils!
Nachtrag
Um wütenden Protesten professioneller Sommeliers (Weinkennern von Beruf) zuvor zu kommen, stelle ich hiermit klar, dass der "Erguß eines berauschten Dichters" von mir frei erfunden wurde und keinerlei Rückschlüsse auf unsere hoch entwickelte Weinkartenkultur zuläßt. Außerdem erkläre ich hiermit feierlich, nicht von der Bierlobby bestochen worden zu sein.
Nachtrag
Um wütenden Protesten professioneller Sommeliers (Weinkennern von Beruf) zuvor zu kommen, stelle ich hiermit klar, dass der "Erguß eines berauschten Dichters" von mir frei erfunden wurde und keinerlei Rückschlüsse auf unsere hoch entwickelte Weinkartenkultur zuläßt. Außerdem erkläre ich hiermit feierlich, nicht von der Bierlobby bestochen worden zu sein.
»Worte, Worte, nichts als Worte.« (W. Shakespeare)
AntwortenLöschenAber nein, mein Kommentar war mitnichten abwertend gemeint. Sondern was der große Dichter wohl gesagt hätte, der solch hymnische Eloge auf einer Weinkarte zu lesen bekäme. Oder Goethe, nachdem er die Weinempfehlung auf der Karte las: »Gewöhnlich glaubt der Mensch, wenn er nur Worte liest, es müsse sich dabei doch auch was denken lassen.«
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